Am 28. November 2025 lud Landrat Dr. Martin Kistler zum Plenum der Kommunalen Gesundheitskonferenz (KGK) Waldshut ein. Der Einladung kamen zahlreiche Akteurinnen und Akteure des Gesundheitswesens nach, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und gemeinsam die Zukunft der regionalen Versorgung zu gestalten.
Telemedizin als Wegbereiter für eine moderne Versorgung
Einen ersten Impuls lieferte Hans Ballmann von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) mit seinem Vortrag zur Telemedizin. Er beleuchtete die Rolle der Videosprechstunde in ambulanten Praxen und stellte insbesondere das Projekt docdirekt vor. Diese innovative digitale Versorgungsplattform, die seit dem 3. November im Einsatz ist, entlastet nicht nur die medizinische Notrufnummer 116117, sondern bietet Patientinnen und Patienten auch eine 24/7-Erreichbarkeit für medizinische Ersteinschätzungen und Videosprechstunden. Damit wird eine bedarfsgerechtere Steuerung der Versorgung ermöglicht, insbesondere in sprechstundenfreien Zeiten. docdirekt zeigt, wie Telemedizin dazu beitragen kann, die medizinische Versorgung zu optimieren und Wartezeiten zu reduzieren.
Der Gesundheitsbericht: Spiegel und Kompass für den Landkreis
Michel Hornschuch vom Gesundheitsamt Waldshut präsentierte anschließend die Hauptaussagen des Gesundheitsberichts, der im Januar 2026 veröffentlicht wird. Diese detaillierte Analyse der gesundheitlichen Situation der Bevölkerung dient als wichtige Grundlage für zielgerichtete Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Prävention und Stärkung der ambulanten medizinischen Versorgung.
Der Bericht zeigte sowohl positive Entwicklungen auf, wie etwa gestiegene Grundimmunisierungsraten bei Mumps, Masern und Röteln, einen Rückgang von Masern- und Hantavirus-Neuinfektionen sowie erfreulicherweise weniger stationäre Behandlungen Jugendlicher aufgrund von Alkoholkonsum. Allerdings identifizierte er auch Herausforderungen: So ist beispielsweise jedes achte Kind im Landkreis übergewichtig oder adipös, die Impfraten bei Influenza, Hepatitis B und Pneumokokken sind gesunken und die Neuerkrankungsrate bei Hepatitis B ist langfristig gestiegen. Besorgniserregend sind auch der hohe Altersdurchschnitt bei einigen Fachärztinnen und Fachärzten – insbesondere in der Gynäkologie und Pädiatrie, wo viele kurz vor dem Berufsaustritt stehen – sowie die Zunahme pflegebedürftiger Personen. Auch die Auswirkungen des Klimawandels, wie steigende Temperaturen und mehr Hitzetage, wurden als potenzielles Gesundheitsrisiko thematisiert.
Die Ergebnisse des Berichts liefern wichtige Ansatzpunkte für zukünftige Untersuchungen und unterstreichen die Notwendigkeit, Prävention, Gesundheitsförderung und die ambulante medizinische Versorgung im Landkreis Waldshut weiterhin zu stärken.
Der vollständige Gesundheitsbericht wird in Kürze veröffentlicht. Interessierte können sich über die Homepage des Gesundheitsamtes oder durch direkte Kontaktaufnahme (michel.hornschuch@landkreis-waldshut.de) informieren, wie sie eine Ausfertigung erhalten können.
Vielfältige Aktivitäten der KGK: Vom Bewegungspass bis zur Ärztenachwuchsförderung
Im letzten inhaltlichen Block gaben Pia Vetter und Nils Erley von der Geschäftsstelle der KGK einen lebendigen Einblick in die vielfältigen Projekte und Initiativen, die im vergangenen Jahr erfolgreich umgesetzt wurden oder aktuell in Planung sind. Die vorgestellten Aktivitäten reichen von der frühkindlichen Motorikförderung durch den „Bewegungspass“, der bereits über 2.300 Kinder erreicht hat, über eine gut angenommene „Elternvortragsreihe Gesundheit und Erziehung“ mit fast 500 Anmeldungen, bis hin zu strukturellen Maßnahmen zur Sicherung der ärztlichen Versorgung. Dazu gehören der „Weiterbildungsverbund“ für angehende Ärztinnen und Ärzte, die „Förderung von Physician Assistants“ als wichtige Entlastung für das ärztliche Personal sowie die „Modellregion für ärztliche Ausbildung“, die Medizinstudierende der Universität Freiburg für die Hausarztpraxen im Landkreis begeistern soll. Diese Projekte unterstreichen das breite Engagement der KGK für eine zukunftsfähige und bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung vor Ort.

Ein Ausblick in die Zukunft
Das Plenum der Kommunalen Gesundheitskonferenz hat gezeigt, wie wichtig der Austausch und die Zusammenarbeit aller Beteiligten sind, um den Gesundheitssektor im Landkreis Waldshut kontinuierlich zu verbessern und an aktuelle Herausforderungen anzupassen. Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Gesundheitsbericht und die vorgestellten Projekte bilden eine solide Basis für die weitere Arbeit der KGK, stets mit dem Ziel, die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Bürgerinnen und Bürger zu fördern.
Für Fragen, Wünsche und Anregungen steht die Geschäftsstelle der Kommunalen Gesundheitskonferenz jederzeit gerne zur Verfügung (gesundheitskonferenz@landkreis-waldshut.de).
Ein herzliches Dankeschön richten wir an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die durch ihr Engagement und ihre Anwesenheit die Kommunale Gesundheitskonferenz bereichert haben. Insbesondere danken wir denjenigen, die mit ihren Redebeiträgen wertvolle Perspektiven und konstruktive Anregungen für unsere gemeinsame Arbeit geliefert haben.











