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Runder Tisch: Mit diesen Maßnahmen soll die Situation der kinderärztlichen Versorgung im Landkreis verbessert werden

Im Landratsamt haben sich erneut Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung mit Fachleuten und Zuständigen getroffen, um die kinderärztliche Versorgung im Landkreis zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen. Erste Maßnahmen werden eingeleitet.

Auf Initiative von Landrat Dr. Kistler, dem Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen, Martin Gruner und dem Bürgermeister von Laufenburg, Ulrich Krieger, gingen die Gespräche über die Kinderarzt-Versorgung im Landkreis in eine neue Runde. Während es beim ersten Treffen im Dezember darum ging, die Probleme zu analysieren, wurden beim zweiten Termin im Februar konkrete Verbesserungsvorschläge benannt und Maßnahmen eingeleitet. Gleichwohl stand von vorneherein fest, dass der allgemeine (Kinder-)Ärztemangel durch die Beteiligten nicht behoben werden kann und dass viele Lösungsansätze erst langfristig wirken. Dennoch war sich der Teilnehmerkreis einig, dass auch kleinere Maßnahmen wie Mosaiksteine zusammengesetzt für das Ganze wirksam sein können.

Folgende Punkte wurden zusammengetragen:

  • Der Aufwand für die Verwaltungstätigkeiten muss in Kinderarztpraxen abgebaut werden. Erste Ansätze hierfür wurden gefunden, beispielsweise wurde im Austausch mit dem Schulamt ein Ansatz entwickelt, um die Anzahl an Attesten, die Ärzte unterschreiben sollen, zu reduzieren.
  • Die Kompetenz der Eltern in Sachen Gesundheit muss gestärkt und verbessert werden. Die Online-Vortragsreihe „Eltern stärken“, die von der Kommunalen Gesundheitskonferenz und den Frühen Hilfen organisiert wird, ist bereits gestartet und stößt auf breites Interesse. Weitere Informationen dazu unter https://familien-plus.de/angebote/50ac4330-e316-11ef-952c-960003d1b9fd. Dr. Michael Netzhammer, Kinderarzt in Albbruck, sprach aus der Praxiserfahrung und betonte, wie wichtig es sei das Wissen der Eltern zu stärken. Außerdem gibt es im Juni 2025 einen Vortrag der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Hochrhein zu Kindernotfällen. Auch Krankenkassen haben Angebote, die der Prävention und Gesundheitsbildung dienen.
  • Um die Ausbildung für Ärzte regional attraktiver zu gestalten, laufen Gespräche mit Kinderärztinnen und Kinderärzten, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Bezirksärztekammer Südbaden und der Uni Freiburg. In Baden-Württemberg, aber auch bundesweit, werden aufgrund rechtlicher Regelungen nicht ausreichend Weiterbildungsstellen für angehende Kinderärztinnen und Kinderärzte finanziert. An die Bundespolitik wird deshalb die zentrale Forderung gestellt, mehr Weiterbildungsstellen zu finanzieren.
  • Zur sofortigen Entlastung muss die Terminservicestelle für den ärztlichen Bereitschaftsdienst verbessert werden. Dieser Appell geht an die Kassenärztliche Vereinigung, die Eltern, wenn sie keinen Kinderarzttermin bekommen oder das Kind außerhalb der Praxiszeiten erkrankt, auf den ärztlichen Bereitschaftsdienst verweisen. Unter der Telefonnummer 116 117 ist aber die Erreichbarkeit unbefriedigend. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg wird deshalb aufgefordert, frühere Standards wiederherzustellen. Landrat Dr. Kistler sagte dazu: „Die 116 117 muss zuverlässig funktionieren. Ich wiederhole deshalb meine Forderung, diese Nummer zurück an die Leitstelle zu holen.“
  • Online-Angebote können Kinderarztpraxen entlasten. Rat kann man beispielsweise bei der Online-Sprechstunde über docdirekt einholen. Infos zu den jeweiligen Angeboten geben die Krankenkassen. Martin Gruner, der Oberbürgermeister von Waldshut-Tiengen sagt dazu: „Wir müssen mehr tun im Bereich der Telemedizin und Angebote bündeln, damit sie besser genutzt werden können.“ Kinderarzt Dr. Netzhammer betonte, dass es wichtig sei, diese digitalen Angebote auch zu bewerben und bei den Eltern bekannt zu machen.
  • Nicht zuletzt wird auch aktiv um neue Ärztinnen und Ärzte geworben. Persönliche Netzwerke werden genutzt, um medizinische Kräfte für Anstellungen, selbstständige Niederlassungen oder als Sicherstellungsassistenzen im Landkreis Waldshut zu gewinnen. Aktuell ist ein Kassensitz im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin frei. „Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Wir müssen mindestens diesen Sitz besetzt bekommen“ fordert Laufenburgs Bürgermeister Ulrich Krieger. Einer schnellen Niederlassungsbewilligung stünde hier nichts im Wege. Das regionale Netzwerk unterstützt dieses Vorhaben: gesundheitskonferenz@landkreis-waldshut.de.

Der Runde Tisch kinderärztliche Versorgung plant noch vor den Sommerferien erneut zusammenzutreten.